I. Was ist Amateurfunk? – Eine kurze Geschichte

Amateurfunk – international als Ham Radio bekannt – ist ein weltweites Hobby, das Technik, Kommunikation und Experimentierfreude miteinander verbindet. Funkamateure nutzen behördlich zugewiesene Frequenzbereiche auf Kurzwelle, UKW und im Mikrowellenbereich, um mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren – ohne Internet, ohne Telefonleitungen, ohne kommerzielle Infrastruktur.
Die Wurzeln reichen bis in die frühen 1900er Jahre. Als Guglielmo Marconi und andere Pioniere begannen, drahtlose Telegrafie zu erforschen, interessierten sich sofort auch private Bastler und Tüftler dafür. Schon vor dem Ersten Weltkrieg gab es in vielen Ländern organisierte Funkamateure. Nach 1918 entdeckten diese etwas Verblüffendes: Die ihnen zugewiesenen Kurzwellenfrequenzen, die Behörden als nutzlos abgetan hatten, erlaubten weltweit reichende Verbindungen – und das mit vergleichsweise kleinen Sendeleistungen.
Seitdem ist die Gemeinschaft stetig gewachsen. Heute sind weltweit mehrere Millionen Menschen lizenzierte Funkamateure – in Deutschland allein rund 80.000.
Um Amateurfunk legal betreiben zu dürfen, braucht man eine staatliche Lizenz. In Deutschland gibt es drei Klassen (N, E, A), die nach einer Prüfung bei der Bundesnetzagentur vergeben werden und unterschiedliche Rechte auf verschiedenen Frequenzbändern gewähren. Wer sich auf die Prüfung vorbereiten möchte, findet auf 50ohm.de eine hervorragende deutschsprachige Lernplattform. Das persönliche Rufzeichen – bei mir DB4REB – ist weltweit einmalig und sozusagen der eigene Name im Äther.
II. Amateurfunk früher – Shack, Kurzwelle und Morsetaste

Jahrzehntelang war Amateurfunk vor allem eines: ein fester Ort zuhause – das sogenannte Shack (englisch für „Schuppen" oder „Funkraum"). Dort stand oder steht immer noch der Transceiver, vielleicht eine Endstufe, ein Antennenkoppler – und draußen eine Antenne auf dem Dach oder im Garten. Man setzte sich hin, schaltete ein und funkte.
Die klassischen Betriebsarten, die das Hobby über Jahrzehnte geprägt haben:
- CW (Continuous Wave / Morsecode): Die älteste und langlebigste Betriebsart überhaupt. Buchstaben und Zahlen werden als kurze und lange Töne – Punkte und Striche – übertragen. CW ist technisch extrem effizient: Mit wenig Sendeleistung ist man damit weltweit zu empfangen. Ich selbst betreibe fast ausschließlich CW.
- SSB (Single Sideband / Telefonie): Sprache auf Kurzwelle. Mit SSB kann man direkt mit jemandem auf der anderen Seite der Erde sprechen – ohne Satellit, ohne Internet, einfach per Funkwelle durch die Ionosphäre.
- AM (Amplitudenmodulation): Früher der Standard im Rundfunk und auch im Amateurfunk. Heute kaum noch genutzt, da SSB platzsparender und effizienter ist.
- FM (Frequenzmodulation): Auf VHF und UHF weit verbreitet – vor allem für den lokalen Nahfunk über automatische Relaisstationen.
Wichtige Bestandteile der Amateurfunkkultur waren und sind Contests – Wettbewerbe, bei denen man in kurzer Zeit möglichst viele Verbindungen in möglichst viele Länder herstellt. Dazu kommen Diplome wie der bekannte DXCC-Award für belegte Verbindungen in 100 verschiedene Länder oder Gebiete.
Das übergeordnete Ziel hieß lange: DX – möglichst weit weg. Japan aus Deutschland mit 10 Watt in Morsetaste zu erreichen – das ist für viele Funkamateure noch immer ein unvergesslicher Moment.
III. Amateurfunk heute – Digital, modern und immer öfter draußen

Die letzten Jahre haben den Amateurfunk grundlegend verändert. Zwei große Entwicklungen prägen das Bild heute besonders.
Digitale Betriebsarten (DigiModes)
Moderne Software verwandelt den PC in einen leistungsfähigen Signalprozessor. Wichtige digitale Betriebsarten:
- FT8 / FT4: Die aktuell meistgenutzten Modes weltweit, entwickelt von Physik-Nobelpreisträger Joe Taylor (K1JT). In vollautomatischen 15-Sekunden-Zyklen werden komprimierte Nachrichten ausgetauscht – ideal für weltweite Verbindungen auch unter schwierigen Bedingungen und mit kleinen Antennen. Ein echtes Gespräch führt man damit allerdings nicht.
- JS8Call: Ähnlich FT8, aber mit Freitext – für echte, wenn auch langsame digitale Kommunikation, auch ohne Internetverbindung.
- WSPR: Ein reiner Beacon-Modus. Man sendet automatisch ein schmales Signal und sieht im Internet nach, wer es weltweit empfangen hat. Ideal zum Testen der eigenen Antenne und Ausbreitung.
Outdoor-Amateurfunk – Raus aus dem Shack!
Eine der aufregendsten Entwicklungen der letzten Jahre: Amateurfunk draußen in der Natur. Kein Festanschluss, keine große Dachantenne – nur ein kleiner, batteriebetriebener Transceiver, ein Draht im Baum, und die Freiheit, von fast überall zu senden. Genau das erlebe ich bei meinen Aktivierungen immer wieder aufs Neue.
POTA – Parks on the Air (mein Schwerpunkt)
POTA steht für „Parks on the Air" und ist ein weltweites, kostenfreies Aktivierungsprogramm. Das Prinzip ist denkbar einfach: Ein Funkamatuer – der sogenannte Aktivator – fährt in einen registrierten Park oder ein Naturschutzgebiet und funkt von dort. Für eine gültige Aktivierung sind mindestens 10 QSOs (Funkkontakte) aus dem Gebiet heraus erforderlich.
Zuhause sitzen die Hunter – Funkamateure, die über die POTA-Webseite aktiv nach laufenden Aktivierungen Ausschau halten und die Aktivatoren kontaktieren. Alle Verbindungen werden weltweit erfasst und stehen in der Datenbank abrufbar zur Verfügung. In Deutschland gibt es tausende registrierter Standorte – Parks, Naturschutzgebiete, Nationalparks – erkennbar an Referenznummern wie DE-1028 oder DE-0547.
POTA verbindet für mich drei Dinge: Natur erleben, Technik entwickeln und anwenden und die persönliche Herausforderung, mit minimalem Equipment möglichst weit zu kommen. Einige meiner Aktiverungen habe ich in meinem Blog dokumentiert – mit Berichten, Fotos und QSO-Statistiken.
SOTA – Summits on the Air
SOTA funktioniert ganz ähnlich wie POTA – das Ziel sind jedoch Berggipfel. Aktivatoren steigen auf einen qualifizierten, in einer weltweiten Datenbank erfassten Gipfel und funken von dort. Die Gipfel tragen Punkte je nach Höhenlage. Besonders in den Alpen und in Mitteleuropa ist SOTA sehr beliebt.
Weitere Aktivierungsprogramme
Das Prinzip „Funk von besonderen Orten" hat viele kreative Ableger hervorgebracht:
- COTA – Castles on the Air (Schlösser & Burgen)
- IOTA – Islands on the Air (Inseln weltweit)
- WWFF – World Wide Flora & Fauna (Naturschutzgebiete, ähnlich POTA)
- LOTA – Lighthouses on the Air (Leuchttürme)
- BOTA – Bridges on the Air (Brücken)
All diese Programme haben eines gemeinsam: Sie bringen Funkamateure raus aus dem Shack – und machen aus einem technischen Hobby ein echtes Outdoor-Abenteuer.
Kurz gesagt: Amateurfunk ist mehr als ein technisches Hobby. Es ist Kommunikation ohne Grenzen, Abenteuer in der Natur und eine weltweite Gemeinschaft – vom erfahrenen DX-Spezialisten bis zum Einsteiger, der gerade seine erste Verbindung von einem Parkgelände aus macht. Wenn du mich beim nächsten Mal an einem Park siehst und Fragen hast – einfach fragen! Bis dahin 73 de DB4REB!
Lokal aktiv – DARC Ortsverband L12
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