Nach zwei Wochen Urlaub war die Vorfreude groß. Endlich wieder eine POTA-Aktivierung im heimischen Tüschenwald. Traumhaftes Wetter, schnell das Auto gepackt und schon fuhren wir mit diesem angenehmen Gefühl los, das man hat, wenn man weiß: "Heute wird ein guter Tag".
Zumindest dachte ich das.
Kaum auf dem Waldparkplatz angekommen, rollte ein Milchsammel-LKW auf den Platz. Der Fahrer pumpte seine Ladung vom Laster in den Anhänger. Innerhalb weniger Minuten war die friedliche Waldkulisse verschwunden. Es war laut, staubig und alles andere als der Ort, an dem man ein Funkgerät aufbauen möchte.
Der Staub war so unangenehm, dass ich meine Ausrüstung vorsichtshalber wieder einpackte, die ich noch Sekunden zuvor auf dem Tisch ausgebreitet hatte. Ehrlich gesagt war ich schon fast so weit, die Aktivierung abzubrechen und mir einen anderen Platz zu suchen als noch ein weiterer LKW auftauchte. Er wollte den soeben gefüllten Anhänger abholen.
Noch mehr Staub der bereits die Sicht beeinträchtige.
Meine XYL sah das deutlich entspannter.
Sie wollte ohnehin eine schöne Runde durch den Wald laufen und meinte sinngemäß: „Warte doch einfach ein paar Minuten ich mache eine kleine Runde“
Also wartete ich.
Und manchmal reichen tatsächlich wenige Minuten.
Die LKWs fuhren ab. Fast alle Autos verließen ebenfalls den Parkplatz. Nachdem sich der Staub gelegt hatte, war da nur noch der Wald. Aus Frust wurde Gelassenheit.
Also baute ich wieder auf.
Und dann begann eine Aktivierung, die ich so nicht mehr erwartet hatte.
Die Signale waren außergewöhnlich klar. Stationen aus ganz Europa, Kanada, von der US-Ostküste und sogar von der Westküste kamen herein. Jeder CQ-Ruf machte einfach nur Spaß. Zwei P2P Kontakte, zwei mini Pile-Up‘s. Es war einer dieser Tage, an denen einfach alles zusammenpasst und man völlig vergisst, dass man eine halbe Stunde vorher noch leicht genervt kurz davor war wieder loszufahren.

In meinem Rucksack waren geschmierte Brote. Etwas trocken, aber vollkommen in Ordnung. Mit einem heißen Kaffee mitten im Wald entwickelte selbst die trockene Käsestulle plötzlich erstaunliche Qualitäten. Vielleicht gehört genau das zu einem gelungenen Nachmittag im Wald beim schönsten Hobby der Welt.
Das Setup
- Yaesu FT-891 mit 24W Ausgangsleistung
- Dipol mit 2 x 5,25m - Teleskopantennen und Spulen für 40m
- TP-III Paddle
- Ham2K Portable Logger
Fazit
Die eigentliche Lektion dieses Tages hatte nichts mit Antennen, Leistung oder Ausbreitungsbedingungen zu tun.
Sie war erstaunlich einfach: Nicht jede schlechte Stimmung verdient sofort eine Entscheidung.
Wenn ich meiner ersten Reaktion gefolgt wäre, wäre ich nach Hause gefahren und hätte eine Aktivierung verpasst, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Manchmal braucht es nur ein wenig Geduld. Oder eine XYL, die ihre Waldrunde trotzdem geht, weil sie mich besser kennt, als ich mich selbst.
Und manchmal beginnt der beste DX-Tag genau dort, wo man gerade alles wieder einpacken wollte.
Danke an alle Hunter und Aktivatoren. Sowas bleibt lange im Gedächtnis!
Bilder zur Aktivierung